Unliebsame Konkurrenz für Fahrlehrer


Fahrlehrerverband kämpft gegen Fahrbegleiter

Jedes Sprichwort hat seine Bedeutung und ist zumeist auf Erfahrungen der Vergangenheit aufgebaut. Dieses gilt auch für das Sprichwort „jemanden das Wasser abgraben“. Dieses Sprichwort stammt aus der Zeit der Ritterburgen im Mittelalter. Die Burgen waren zumeist so befestigt, dass es für einen Feind schwierig oder unmöglich war, sie zu erobern. So war es oft für den Feind erfolgversprechender, das Hinterland zu plündern, Beute zu machen und dadurch gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage des Gegners zu vernichten. So ist auch die Erklärung gegeben, die für das Sprichwort noch heute gilt: „jemandes Position schwächen, ihm schaden und dessen Existenzgrundlage zerstören“. Dass ein solches geschieht befürchtet zurzeit der Verband der Schweizer Fahrlehrer (SFV)  infolge der Tatsache, dass immer mehr sogenannte Fahrbegleiter Fahrschülern ihre Dienste anbieten. Laut dem SFV machen sich immer mehr „Pseudofahrlehrer“ breit. Gemeint sind damit Personen, die keine Fahrlehrer-Ausbildung haben, aber gegen ein Entgelt Lektionen anbieten, in denen das in der Fahrschule Gelernte in ihren privaten Fahrzeugen geübt werden kann. Diese Angebote werden von so manchem wahrgenommen, denn heutzutage kostet eine Fahrstunde oft 80 bis 90 Franken. Um Geld zu sparen, nehmen Fahrschüler, die nicht mit einem Verwandten üben können, immer öfters angebotene Dienste von sogenannten Fahrbegleitern oder Fahrpraktikern an. Damit den Schweizer Fahrlehrern dadurch nicht „das Wasser abgegraben“ wird, greift der Verband nunmehr zu drastischen Mitteln, indem er seine Mitglieder dazu auffordert, die Augen nach Personen offenzuhalten, die sich regelmässig mit Fahrschülerinnen und Fahrschülern auf den Strassen bewegen. Erfolgreiche Beobachtungen sollten dann den kantonalen oder regionalen Vorständen mit konkreten schriftlichen Angaben wie Autonummer, Ort und Zeit gemeldet werden.

Rechtliche Situation

Wie sieht die rechtliche Situation der Aktivitäten der sogenannten Fahrbegleiter aus? Diese bewegen sich gesetzlich in einer Grauzone. Zwar ist in der Fahrlehrerverordnung eindeutig geregelt, dass derjenige, der mehr als einen Fahrschüler pro Jahr ausbildet, einer Fahrlehrerbewilligung bedarf. Allerdings macht die Verordnung eine Ausnahme, wenn zwischen Fahrschüler und Begleitperson eine „nähere Beziehung»“. besteht. Ob dieses wirklich der Fall ist, müsste bei einem Verdacht auf einen Verstoss durch  ein Gericht geklärt werden, denn das Bundesamt für Strassen (Astra) legt den entsprechenden Artikel bei Familienmitgliedern und Arbeitskollegen eher weit aus und beschränkt eine nähere Beziehung nicht nur auf den ersten Verwandtschaftsgrad. Wesentlich restriktiver ist das Bundesamt bei der Beurteilung von Freundschaften. So gelten oberflächliche Bekanntschaften über Social-Media-Plattformen nicht als eine nähere Beziehung. So kann zumindest dieser Konkurrenz von den Fahrlehren „das Wasser abgegraben“ werden.